// Das Wirtschafts.Forscher!-Programm aus Sicht eines CAP-Teamers – Dan Sharell

Der geringe Altersunterschied zu den Schülerinnen und Schülern erlaubt uns Teamern ein informelles und lockeres Miteinander. Dies trägt erheblich zur Motivation der Teilnehmenden bei und erleichtert unsere Arbeit sehr. Als Teamer freut man sich jedes Mal aufs Neue auf die Workshops, da diese eine erfrischende Abwechslung zum studentischen Alltag darstellen. Bei jedem Workshop macht es große Freude zu sehen, wie sich die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler im Laufe des Tages steigert, was dazu führen kann, dass rege Diskussionen entstehen. Darüber hinaus ist es für die Teamer bereichernd, mit dem methodischen Ansatz des Forschenden Lernens wirtschaftsethische Inhalte zu vermitteln und so die Sichtweisen kennenzulernen.

Bild: Workshop mit dem Jakob-Fugger-Gymnasium Augsburg am CAP mit Eva Feldmann-Wojtachnia, Projektleitung, Dan Sharell, Maximilian Kretschmann und Andreas Sommer, Wirtschafts.Forscher! Teamer

Ein großer Vorteil des Forschenden Lernens ist es, dass die Schülerinnen und Schüler nicht zwingend Vorwissen benötigen, sondern sie selbst beginnen, die für sie spannenden Fragen zu entwickeln und zu bearbeiten. Sobald sie dies verinnerlicht haben, beteiligt sich meist die gesamte Klasse an den Diskussionen. Dadurch wird der Forschungsprozess lebhaft und das gemeinsame Arbeiten macht Spaß. Darüber hinaus legen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren Forschungsschwerpunkt eigenständig fest und können diesen ergebnisoffen erforschen. Da diese Methodik für die Schülerinnen und Schüler recht ungewohnt ist, benötigen sie meist eine kurze angeleitete Aufwärmphase. Sobald diese abgeschlossen ist, steigen die Begeisterung und das Engagement stetig. Folglich bemüht man sich als Teamer, die Motivation für den Forschungsprozess zu schaffen und die Anleitung interessant zu gestalten, um eine gute Grundlage für den gesamten Workshop zu legen.

Die Vermittlung von Wirtschaftsethik stellt für uns Teamer eine spannende Herausforderung dar. Hierbei ist aufgefallen, dass es für die Schülerinnen und Schüler, unabhängig von deren Schulform, ungewohnt ist, sich mit komplexen Problematiken auseinanderzusetzen, welche nicht immer auf Falsch oder Richtig reduziert werden können. Als Teamer hat man immer wieder Freude daran, wenn die Schülerinnen und Schüler dies verstanden und verinnerlicht haben. Denn dann sind sie bereit, sich tiefergehend auf das jeweilige Thema des Workshops einzulassen.

Für die Workshops stehen drei verschiedene wirtschaftsethische Themen zur Auswahl. Im Workshop Top Seller Smartphone setzen sich die Teilnehmenden kritisch mit ethischen Fragen beispielsweise im Bereich Produktionsbedingungen und der Smartphone Nutzung in Bezug auf den Datenschutz, digitale Kommunikation und das Handy als ökonomische Plattform auseinander. Spannend bei diesem Workshop ist es zu beobachten, dass die Schülerinnen und Schüler zwar die wirtschaftsethischen Probleme erkennen, aber nicht auf ein Smartphone verzichten möchten. So können wirtschaftsethische Fragen im Alltag erlebbar gemacht werden. Im Workshop Massenproduktion von Fleisch setzen sich die jungen Wirtschafts.Forscherinnen! und Wirtschafts.Forscher! kritisch mit ethischen Fragen in Bezug auf die Produktionsbedingungen von Fleisch sowie mit den Konsequenzen eines hohen Fleischkonsums auseinander. Viele Schülerinnen und Schüler zeigen sich hierbei oft überrascht, welche weitgehenden Konsequenzen ein für sie regulärer Fleischkonsum hat und wie viele wirtschaftliche Wirkungszusammenhänge dahinterstecken. Insbesondere die ökologischen Auswirkungen spielen hierbei für sie eine große Rolle. Im Workshop Internationale Textilproduktion setzen sich die Schülerinnen und Schüler kritisch mit ethischen Fragen in Bezug auf die üblichen Produktionsbedingungen großer Kleidungshersteller auseinander. Einige Teilnehmende sind nach diesem Workshop erstaunt, wie wenig Kleidungshersteller es gibt, die ihre Produkte fair produzieren lassen und somit Alternativen beim Kleiderkauf bieten. Grundsätzlich nehmen die Workshops eine multiperspektivische Sichtweise ein. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich hierbei als Mikro.Forscher! mit den Konsumenten, als Meso.Forscher! mit den Unternehmen und als Makro.Forscher! mit der Politik.

Bild: Workshop Realschule Bildungszentrum Seefälle Bonlanden

Für die Durchführung der Workshops wurden wir vom CAP intensiv ausgebildet und werden methodisch-didaktisch wie inhaltlich begleitet. Jährlich findet ein mehrtägiges, verpflichtendes Weiterbildungsseminar für alle Teamer statt. Dieses bietet auch die Möglichkeit, sich als Team besser kennenzulernen und Tipps sowie Erfahrungen untereinander auszutauschen. Zusätzlich findet ein Monitoring zur Optimierung der Einsätze durch einen formalisierten Feedbackprozess statt, welcher nach jedem einzelnen Workshop individuell durchgeführt wird.

Bild: Weiterbildungsseminar für die Teamer

Bildnachweis: CAP

Zum Autor
Nachdem ich in Frankreich und Deutschland aufgewachsen bin, zog ich vor knapp drei Jahren für mein Studium in die Schweiz. Mittlerweile befinde ich mich im 6. Semester meines BWL-Studiums an der Universität St. Gallen und freue mich auf den baldigen Abschluss des Studiums. Bereits vor meinem Studium engagierte ich mich am CAP im Rahmen diverser Projekte. Das Wirtschafts.Forscher!-Programm begleite ich seit seiner Entstehung und es macht mir große Freude zu sehen, wie erfolgreich sich dieses Programm in kurzer Zeit entwickelt hat. Das Programm empfinde ich als besonders bereichernd, weil es mir erlaubt, Aspekte aus meinem Studium aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten und darüber hinaus durch den Kontakt mit Schülerinnen und Schülern aller Schulformen ein besseres Gefühl für die großen gesellschaftlichen Themen unserer Zeit zu erhalten.

Weitere Einblicke