// Programm

„In welcher Wirtschaft wollen wir leben?“ und „Welche Werte sind für uns dabei relevant?“ – Fragen wie diese stehen im Mittelpunkt des gemeinsamen Programms des Centrums für angewandte Politikforschung, des Instituts für ökonomische Bildung, der Karl Schlecht Stiftung und der PwC-Stiftung. Es zielt auf eine fachlich fundierte, mehrperspektivische und problemorientierte Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen in der Wirtschaft, die an die Lebenswelten von Jugendlichen anknüpft und alle Ebenen und Akteure bei ökonomischen Entscheidungen und Prozessen einbezieht. Das Programm möchte eine verantwortungsbewusste Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern und ihr Interesse an der Gestaltung einer lebenswerten und zugleich zukunftsfähigen Wirtschaft und Gesellschaft fördern.

Dabei bedienen sich die Wirtschafts.Forscher! der Methode des Forschenden Lernens und setzen damit auf die Vermittlung von Orientierungskompetenzen und Urteilsfähigkeit. Wirtschafts.Forscher! bietet jungen Menschen die Gelegenheit, sich im Schulkontext mit wirtschaftlichen Sachverhalten zu befassen. Dabei kann es z. B. thematisch um soziale und ökologische Verantwortung in Konsumsituationen oder Produktionsprozessen gehen. Dazu treten die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler auch mit relevanten Stakeholdern in Dialog und diskutieren im Sinne einer ganzheitlichen Auseinandersetzung die Perspektiven unterschiedlicher Akteure an der Schnittstelle von Wirtschaft und Ethik.

Das Angebot für die teilnehmenden Schulen umfasst mehrere Bausteine und wird durch eine prozessbegleitende Evaluierung unterstützt.


BegleitendeEvaluation Unterrichts-material Schüler-Workshops EconomicYouth Summit Lehrer-qualifizierung

// Unterrichtsmaterial

Das Programm bietet den Lehrkräften drei innovative Module um die ethische Dimension im Wirtschaftsunterricht zu stärken:

  • Über die Qual der Wahl … und die Moral!
  • Vom Einkaufen und Inkaufnehmen!
  • Wir regeln das selbst!

Wirtschafts.Forscher! bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Materialien für einen Wirtschaftsunterricht, in dem ethische Fragestellungen als integraler Bestandteil des Faches behandelt werden. Zu diesem Zweck wurden Unterrichtseinheiten entwickelt, die nicht als Zusatz zum „normalen“ Unterricht fungieren, sondern die auf komplementäre Weise ökonomische und ethische Kompetenzen im Zusammenspiel vermitteln.

Das Modul „Über die Qual der Wahl … und die Moral!“ bietet mit ökonomischen Experimenten, die im Klassenraum durchgeführt werden können, einen Einstieg in wirtschaftsethische Zusammenhänge. „Vom Einkaufen und Inkaufnehmen!“ behandelt konsumethische Fragen aus dem Alltag der Jugendlichen, die unter anderem mit Hilfe einer eigenständig durchgeführten Umfrage bearbeitet werden. Im dritten Modul, „Wir regeln das selbst!“ steht die wirtschaftsethische Dimension von Regeln und Regelsetzung im Mittelpunkt. Der methodische Zugang ist hier eine Robinsonade und die damit verbundene Herausforderung, einer neuen Gesellschaft Regeln zu geben.

In jeder dieser Einheiten wird der Zugang über das forschende Lernen und das eigenaktive Erkunden von Zusammenhängen gewählt. Die Materialien sind dabei nach einem einheitlichen Konzept gestaltet und gliedern sich in Schüler-, Lehrermaterialien und Lösungshinweise. Die am Programm teilnehmenden Lehrkräfte erhalten über die Online-Umgebung Unterstützung, um die Materialen noch besser an ihre Lerngruppe anzupassen.

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// Schülerworkshops

In den partizipativen Workshops wenden die Schülerinnen und Schüler ihr erlerntes Wissen aus dem Unterricht an. In einem dynamischen, forschenden Lernprozess beschäftigen sie sich multiperspektivisch mit selbstentwickelten wirtschaftsethischen Forschungsfragen. Während der Workshops werden sie von studentischen Peer-Coaches begleitet.

Die vom CAP entwickelten Workshops ergründen die Wertedimension wirtschaftsethischer Themen anhand von konkreten alltagsnahen Fallbeispielen. Die Workshops sind methodisch als ein ergebnisoffener Forschungsprozess angelegt und finden an den Schulen im Rahmen eines Projekttages statt.

Der Schülerworkshop ermöglicht es den Jugendlichen, als „Wirtschafts.Forcsher!“ in sogenannten Forscherlaboren eigene Fragestellungen zu entwickeln, die Arbeitsmethoden auszuwählen, selbstverantwortlich Informationen zu recherchieren und zu verarbeiten, in der Gruppe gemeinsam Ergebnisse zu formulieren und zu bewerten sowie das eigene Handeln – auch im Dialog mit Vertreter_innen aus Wirtschaft, Politik und den Medien – kritisch zu reflektieren. Die Peer-Coaches unterstützen und moderieren dabei den Forschungsprozess.

Inhaltlich regen die Workshops die Schüler_innen dazu an, einen kritischen Blick auf einen der folgenden drei Themenschwerpunkte zu richten:

  • Von der Baumwollplantage in meinen Kleiderschrank – Internationale Textilproduktion
  • Darf es etwas mehr sein? Massenproduktion von Fleisch
  • Was kann und darf mein Handy? Smartphone – Top Seller auf dem Weltmarkt.

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// Economic Youth Summit

Zum Abschluss des Programms präsentieren die Schülerinnen und Schüler Ihre Ergebnisse aus den Schul-Workshops der Öffentlichkeit und dienen somit als Vorbilder für forschendes Lernen in wirtschaftsethischen Kontexten.

Durch die Zusammenführung aller Workshopergebnisse kann eine themenorientierte und schulformübergreifende, vernetzte Reflexion stattfinden. Die Jugendlichen werfen hier den Blick auch auf die Weiterentwicklung der ökonomischen Bildung und werden so selbst zu den handelnden Subjekten. Dem Ecomomic Youth Summit liegt der Ansatz der peer education zugrunde. Die Break out Sessions werden daher von den Peerteamern des Centrums für angewandte Politikforschung geleitet. Mit ihren Ergebnissen treten die jugendlichen Wirtschafts.Forscher abschließend mit Akteuren aus Wirtschaft, Bildung, den Medien und der Politik in den Dialog.

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// Lehrerqualifizierung

Die teilnehmenden Lehrkräfte erhalten bei Wirtschafts.Forscher! umfassende Unterstützung bei der Umsetzung des Programms.

Die am Projekt teilnehmenden Lehrkräfte bringen unterschiedliche fachbezogene Berufsbiographien, Qualifikationen und Erfahrungen mit. In Abstimmung zwischen den Projektpartnern wurde deshalb ein System zur umfassenden Unterstützung der Lehrkräfte entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse eingerichtet.

Hierzu werden zum einen zwei gemeinsame Präsenzveranstaltungen organisiert, in denen wesentliche fachliche Grundlagen vermittelt, die Unterrichtssequenzen vorgestellt und ihre Umsetzung im Rahmen des Forschenden Lernens erarbeitet, die Workshopkonzeption erläutert und Möglichkeiten zum Kennenlernen und Austausch eröffnet werden.

Zum anderen wurde eine Online-Plattform eingerichtet, in der die Lehrkräfte sowohl Qualifizierungsinhalte, unterrichtliche Realisierungsvorschläge sowie Möglichkeiten des gemeinsamen Austausches finden.

Ziel ist es den Lehrkräften in der Verknüpfung von Präsenz- und Onlinephasen,

  • die benötigten Qualifizierungsinhalte zum Themenbereich „Wirtschaft und Ethik“ bereitzustellen,
  • die entwickelten Unterrichtssequenzen vorzustellen und konkrete Umsetzungsvorschläge im Rahmen des Forschenden Lernens für die Bundesländer und einzelnen Schulen zu entwickeln,
  • den Lehrkräften die Möglichkeit der direkten Kontaktaufnahme mit den Projektpartnern bei Fragen aller Art zu eröffnen und
  • einen kontinuierlichen Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Lehrkräften und den Projektpartnern sicherzustellen.

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// Begleitende Evaluation

Stakeholder u. a. aus den Bereichen Schule, Politik, Medien, und Wissenschaft erarbeiten gemeinsam mit den Initiatoren ein Evaluationskonzept, welches eine umfassende Perspektive der Beteiligten auf das Programm darstellt und in einem Abschlussbericht möglichst konkrete Handlungsempfehlungen darlegen soll.

Die Akademie Führung & Kompetenz am CAP hat mit der besonderen Methode „Partizipative Evaluation“ ein Vorgehen entwickelt, das durch die Einbeziehung von relevanten „Stakeholdern“ die Qualität einer Erhebung erhöht, weil die Beteiligten und Betroffenen (Stakeholder) frühzeitig ihre spezifische Kenntnis des Evaluationsgegenstands zur Verbesserung der folgenden Faktoren einbringen:

  • Relevanz der Fragestellungen
  • Angemessenheit der Erhebungsmethoden und -instrumente
  • Stimmigkeit der Bewertungskriterien

Vorgehensweise im Projekt:

Auftraggeber (PwC-Stiftung) und Auftragnehmer (CAP, IÖB) identifizieren zunächst die Stakeholder des Projekts (Lehrkräfte, Schulleitungen, Schüler_innen, Wirtschaftsexperten, Vertreter_innen von Wissenschaft, Medien, Gewerkschaft, Kirche, PWC-Stiftung, IÖB und CAP). Im Rahmen eines ersten Stakeholder-Workshops wird das geplante Projekt „Wa(h)re Werte – Die Wirtschafts.Forscher!“ vorgestellt und gemeinsam werden Faktoren für den Erfolg dieses Projekts ermittelt. Als nächstes werden Indikatoren bestimmt, anhand derer die zuvor ermittelten Faktoren erkannt werden können. Das Evaluationsteam entwickelt auf dieser Grundlage ein passendes Evaluationskonzept welches ebenfalls mit den Stakeholdern abgestimmt wird. Nun werden die Daten erhoben und aufbereitet. Im Rahmen der weiteren Stakeholder-Workshops werden diese Daten diskutiert und bewertet und führen zu konkreten, handlungsrelevanten Verbesserungsvorschlägen.

Auftraggeber und Auftragnehmer werden so in die Lage versetzt, den Fortlauf des Projekts anhand aussagekräftiger Handlungsempfehlungen zu steuern und am Ende des Projekts Aussagen zur Wirksamkeit des Vorhabens vorlegen zu können, die durch die frühzeitige Beteiligung kritischer Stimmen im Rahmen des Stakeholder-Prozesses relevant und glaubwürdig sind.

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Initiatoren

Seit ihrer Gründung im Jahr 2002 hat die PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur bundesweit mehr als 400 Jugend- und Bildungsprojekte mit insgesamt rund 12 Millionen Euro unterstützt. Unter dem Dach des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft unterstützt sie bundesweit Projekte der ästhetischen Kulturbildung und der werteorientierten Wirtschaftsbildung für Kinder und Jugendliche. Ihr Fokus liegt dabei auf modellhaft angelegten Vorhaben von Kultur- und Bildungseinrichtungen, die sich durch ihre Konzeption und Kreativität, ihren Inhalt und vernetzte Denkansätze oder neuartige Vermittlungsformen auszeichnen. Durch handlungsorientierte und partizipative Ansätze sollen junge Menschen vor allem lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich mit ihrem eigenen Werteverständnis auseinanderzusetzen. Die PwC-Stiftung ist eine Initiative der Führungskräfte von PwC Deutschland, die zeigt, dass die Verantwortung von Unternehmen und ihren Führungskräften heute weit über rein wirtschaftlichen Erfolg hinausreicht.
Neben den vielfältigen Förderprojekten unterstreichen vor allem die Eigenprogramme Kultur.Forscher!, Klang.Forscher! und Wirtschafts.Forscher! die Ausrichtung der Stiftung.

„Mit unserem neuen Programm möchten wir dazu beitragen, Verständnis für gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge zu verbessern, zu denen in einem hohen Maße auch eine gesellschaftliche, ethische und soziale Kompetenz gehört. Wer sich schon in der Schule intensiv mit solchen Fragestellungen beschäftigt, bringt als Erwachsener mehr Verständnis für wirtschaftliches Handeln mit.“

Dr. Jan Konerding, Vorstandsmitglied der PwC-Stiftung

Das Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) ist ein universitäres Institut der Politikberatung zu europäischen und internationalen Fragen in Deutschland. Es wurde 1995 von Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld am Lehrstuhl für Politische Systeme und Europäische Einigung des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München gegründet. Eine besondere Expertise des CAP liegt in der methodisch innovativen Vermittlung politischer Bildung an junge Menschen. Grundlegendes Arbeitsprinzip ist es, politische Bildungsarbeit nicht auf Wissensvermittlung zu reduzieren, sondern immer auch zur kritischen Auseinandersetzung mit der jeweiligen Thematik anzuregen und auf die Partizipationsfähigkeit Jugendlicher in Politik und Gesellschaft zu zielen.

„Unsere spezifische Kompetenz ist es, mit wissenschaftlichen Mitteln konkrete Problemlösungen zu schaffen und Interdependenzen deutlich zu machen – in diesem Fall zwischen Politik und Wirtschaft. Wirtschaftskulturelle und wirtschaftsethische Bildung sind Schlüsselthemen und wir möchten helfen, Ethik in die Ökonomie angemessen zu integrieren, zu entwickeln und zu vermitteln.“

Prof. Werner Weidenfeld, Leiter CAP

Das Institut für Ökonomische Bildung (IÖB) forscht, entwickelt, qualifiziert, produziert und berät rund um die ökonomische Bildung – für eine bessere Einsicht in wirtschaftliche Prozesse. Als An-Institut der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg basiert die Arbeit auf Grundlagenforschung, die in innovativen Projekten und Konzepten im In- und Ausland geleistet wird und ihre praktische Anwendung in Schule, Aus- und Weiterbildung erfährt.

„Die letzten Jahre haben gezeigt, dass in unserer Gesellschaft die ethische Dimension immer wichtiger wird. Unser Institut hält es für notwendig diese Dimension in die Ökonomie und in die ökonomische Bildung noch stärker curricular hineinzuweben und damit einen Beitrag zu leisten, die Urteilsfähigkeit zum Thema Wirtschaft in der Gesellschaft zu verbreitern und zu verbessern.“

Prof. Hans Kaminski, Leiter IÖB

Weitere Förderer

Die Karl Schlecht Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung mit Fokus auf „Good Leadership“. Ihre Leitidee ist die Verbesserung von Führung in Business, Gesellschaft und Politik durch humanistische Werte. Vor diesem Hintergrund fördert sie die ganzheitliche, werteorientierte Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen und angehenden Führungskräften. Wesentlicher Teil von Führungsexzellenz durch Werteorientierung ist für sie das unternehmerische Denken und Handeln.