17.02.2020

Im Interview: Matthias Schmidt, Lehrer im Programm „Wirtschafts.Forscher!“

„Ethik bewusst in Verbindung mit wirtschaftlichen Themen zu setzen, ist für die meisten neu.“

Matthias Schmidt unterrichtet am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg Wirtschaft, Gemeinschaftskunde und Englisch. Nun nimmt der 36-jährige Lehrer schon zum vierten Mal mit seinen Schülern am Programm „Wirtschafts.Forscher!“ teil. Grund genug für ein Gespräch.

Was konnten Ihre Schüler vor Programmstart mit dem Begriff „Ethik“ anfangen?
Ich nehme an dem Programm aktuell mit meiner neunten Klasse teil. Da ist der Begriff allen geläufig. Viele bringen Vorwissen mit. Aber Ethik bewusst in Verbindung mit wirtschaftlichen Themen zu setzen, ist für die meisten neu.

Wie wird den Schülern das Thema bei „Wirtschafts.Forscher!“ schmackhaft gemacht?
Der Aufhänger des Programms ist dieses Mal die Digitalisierung. Das Interesse daran ist bei den Schülern sehr groß, da sie die Auswirkungen selbst im Alltag spüren.

In den vergangenen Jahren fand außerdem zum Auftakt ein Workshop statt, der das Verhältnis von Ethik und Wirtschaft mit jeder Menge Beispielen greifbar machte. Das war immer ein Highlight. In diesem Jahr war das etwas anders: Die Schüler lernten bei dem Workshop vor allem, mit dem Wi.Fo!-Lab zu arbeiten.

Was ist das Wi.Fo!-Lab?
Bisher gab es ein Begleitheft. Nun gibt es stattdessen eine Onlineplattform, das Wi.Fo!-Lab. Dort finden die Schüler Arbeitsmaterialien zum Thema: Texte, Statistiken und Karikaturen. Besonders gut gefällt mir, dass ständig neue Inhalte dazukommen. An dem Materialpool können sich die Schüler eigenständig bedienen. Das motiviert.

Steht die Selbstständigkeit nun mehr im Fokus?
Genau. Das finde ich gut. Das selbstständige Arbeiten mit dem Wi.Fo!-Lab passt besser zur didaktischen Ausrichtung von „Wirtschafts.Forscher!“. Das Programm setzte schon immer auf „Forschendes Lernen“: Die Schüler suchen sich selbst ein Themenfeld aus und organisieren dazu eigene kleine Forschungsprojekte. Dabei helfen ihnen die Materialien. Ich gebe meinen Schülern nur ein paar Fragen mit auf den Weg: „Welche Unternehmen wollt ihr euch genauer ansehen? Welche Aspekte der Digitalisierung interessieren euch besonders?“.

Und wie funktioniert das bisher?
Vor drei Wochen haben wir mit der Projektarbeit begonnen. Der Elan hat mich sehr beeindruckt. Eine Gruppe beschäftigt sich mit Supermärkten. Eine andere sieht sich in einer Druckerei um. Und wieder andere Schüler gehen der Frage nach, was Automatisierung mit einem Unternehmen macht. Ich habe das Gefühl, dass alle motiviert sind.

Wir wünschen Ihnen, dass Ihre Schüler weiterhin mit so viel Elan dabei sind.
Danke, das hoffe ich auch. Außerdem hoffe ich natürlich auf gelungene Projekte – gelungen im Sinne von „sich etwas vornehmen und das dann auch konsequent umsetzen“. Die Schüler sollen lernen, sich selbstständig und intensiv mit etwas auseinanderzusetzen.

Was soll den Schülern nach dem Programm durch den Kopf gehen, wenn Sie den Begriff „Ethik“ hören?
„Auf Basis welches Wertes treffe ich meine Entscheidung? Was ist mir wichtiger: Bedürfnisbefriedigung oder rationale Abwägungen?“ – Fragen wie diese wünsche ich mir. Meine Schüler sollen bewusstere Entscheidungen treffen. Dabei helfen ihnen künftig die Erkenntnisse und Erfahrungen aus ihren Forschungsprojekten.

Dieses Interview wurde am 30. Januar 2020 durch die Karl Schlecht Stiftung geführt.

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